Anne B. - Lakefield

Anne B. (18 J.) war als LIT in Lakefield / Kanada

Als ich am Flughafen ankam und zusammen mit vielen anderen Kids von den Betreuern empfangen wurde, wurde mir prompt ein Schild in die Hand gedrückt, damit die restlichen Neuankömmlinge uns besser finden könnten. Als LIT gehörte ich direkt mit zum Team und wurde so auch mit eingebunden. Nach dem Häuser beziehen und Abendbrot in der Hall gab‘s zum Abschluss des ersten Tages auch direkt ein Feuerwerk – Es war Canada Day!

Leader in Training, LIT, sind ältere Jugendliche mit Erfahrung als Campteilnehmer, die lernen wollen, selbst als Betreuer in Sprachcamps zu arbeiten. Nachdem ich schon einmal als Teilnehmerin in Lakefield war, freute ich mich darauf, nun auch die Betreuer- (=Counsellor) Seite kennen zu lernen.

Zunächst einmal war das Camp einfach nur Spaß – so wie ich es von letztem Mal auch noch in Erinnerung hatte. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal so ein traumhaft schönes Sommerwetter hatte, strahlend blauer Himmel, der den ganzen Campus von Lakefield School samt See in leuchtende Farben setzt. Am Anfang war eine Art Einführungsphase – die Leute kennen lernen, den Campus erforschen und seine Kurse wählen.

Die LITs trugen sich wie die Counsellor in eine Liste ein unter der Fragestellung: Welche Aktivitäten könnten wir als Betreuer begleiten oder sogar selbst leiten? Für mich waren das Kunst, Englisch, Tanzen, Volleyball. In der ersten Woche stellte ich schnell fest, dass die Art des Tanzens mir weniger lag und dass ich eigentlich ganz gerne mehr draußen wäre – bei dem Wetter wollte ich nicht nur drinnen sitzen!

Also wurde ich auf meinen Wunsch für die nächsten Wochen nicht nur für Volleyball, sondern vor allem für Kanu eingeteilt. Ich bin zwar schon oft selbst Kanu gefahren und bin auch recht sicher auf dem Wasser, aber bislang hätte ich nie im Leben Kanufahren erklären oder lehren können. Nach zwei Wochen je 2 Stunden Kanutraining pro Tag war ich aber nicht nur braungebrannt von der Sonne, sondern hätte auch selbst die Aktivität "Canoe" leiten können. Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, mit der ganzen Gruppe die Kanus umzukippen ("tipping") und danach zu üben, wie man auf dem Wasser wieder ins Kanu reinkommt.

Bei unseren Aktivitäten waren wir am Anfang mehr Begleiter und haben selbst gelernt. Vor allem natürlich, wie man am besten das Wissen oder die Technik vermittelt. Erst abgucken, dann ausprobieren, und spätestens dann wurden wir aktiv immer stärker mit eingebunden und dazu angeregt, selbst neue Ideen mit einzubringen.

Ich bin 18 – beim Schätzen meines Alters lag die Spannbreite der Rateversuche der Kids allerdings zwischen 14 und 21… Aber obwohl die meisten mich eher als 16 eingeschätzt haben, wurde ich von ihnen fast grundsätzlich als "Leader in Training" respektiert und auch oft um Rat gefragt, wenn irgendetwas unklar war. Wir waren zahlreiche LITs im Camp, kamen aus Spanien, Deutschland und Kanada. Aber wir waren natürlich angehalten, immer nur Englisch zu reden, auch wenn wir uns in anderen Sprachen hätten unterhalten können. Wir waren schließlich Vorbilder. Die, die wir betreuen durften, kamen aus aller Welt: Kids im Alter von 11 bis 16 Jahren, aus Asien, Südamerika, Osteuropa, aber auch aus Spanien und Frankreich. Ich glaube, wir kamen auf weit über ein Dutzend Nationalitäten.

Um uns darauf vorzubereiten, im nächsten Jahr vielleicht selber Counsellor zu sein, hatten wir zusätzlich zu unseren Aktivitäten jeden Tag 2 Stunden LIT-Class. In diesen Stunden haben wir uns damit beschäftigt, welche Funktion wir im Camp einnehmen und haben uns mit möglichen Konfliktsituationen auseinandergesetzt um herauszuarbeiten, wie wir in solchen Fällen am besten reagieren können. Außerdem haben wir häufig kleinere Events geplant und organisiert. Unter anderem haben wir das Lagerfeuer am Abend um eine Gesangsperformance bereichert und für einen anderen Abend eine eigene Quiz-Show entworfen, die auch überraschend gut angekommen ist.

An den vielen Ausflügen zu den Niagara Falls, nach Toronto, zur Schiffs-Cruise und dem Wildwasser-Rafting haben wir natürlich auch teilgenommen. Wir hätten als normale Campteilnehmer dabei sein können, wenn wir dafür wie alle anderen bezahlt hätten. Aber wir wurden meistens ohnehin als Aufsichtspersonen mit eingeteilt. Damit war natürlich etwas mehr Arbeit verbunden und weniger Freizeit. Allerdings konnten wir so kostenlos mitmachen, und Spaß gemacht hat es mindestens genauso viel :)

Keine theoretische Anleitung kann einem besser beibringen, wie man am besten eine Aktivität leitet oder eine Gruppe Kinder beaufsichtigt oder bei Laune hält, als ein mehrwöchiger Aufenthalt in einem Leader in Training-Programm, denn durch die Kombination aus Theorie und Ausprobieren lernt man am besten. Es ist wahr – man wächst an seinen Aufgaben, und man wächst über sich selbst hinaus, wenn man sich auf die Erfahrung einlässt und auch ein bisschen Enthusiasmus und Arbeitsbereitschaft an den Tag legt. Ich habe viel gelernt, hatte viel Spaß, und werde mich auf jeden Fall für den nächsten Sommer als Counsellor bewerben – um die einmalige Camperfahrung wieder erleben zu können, und um meine Freunde wieder zu sehen. Kids und Councellor aus aller Welt – ich freu mich schon!

Anne B.



nach oben