Fabian - Whistler

Fabian (15 J.) war bei einem erlebnisreichen Summer Camp in Whistler dabei

Der erste Eindruck von Kanada war etwas enttäuschend: Nach 10 Stunden Flug und zweistündigem Bustransfer von Vancouver regnete es in Whistler in Strömen. Glücklicherweise hat sich das aber schon bald verändert – das Wetter wurde gut und blieb während meiner drei Wochen dort heiß und sonnig.

Von Beginn an haben sich alle im Camp sehr gut verstanden. Da haben auch nicht die Sprachbarrieren gestört, oder dass der andere aus dem entferntesten Land kam. Die Teilnehmer waren im Schnitt so 14-16 Jahre alt und kamen aus sprichwörtlich der ganzen Welt: Russland und Brasilien, Italien und den USA. Meine Zimmernachbarn kamen aus Japan und Ostkanada. Einzig verbindende Sprache war Englisch.

Wir wurden gleich in unsere Teamgruppen eingeteilt, in denen wir bis zur Abreise bleiben würden, und bald schon ging es los. Gleich am ersten Tag fuhren wir mit einem typisch orangen Schulbus, wie man ihn aus den Filmen kennt, in einen Wald, wo wir mit Wanderstiefeln durch die verregneten Wälder Kanadas gewandert sind. Als wir nach einer Stunde erschöpft an einem kleinen Bergsee ankamen, war die Stimmung trotz der schönen Lage nicht sonderlich gut, da alle noch müde waren, Jetlag hatten und das Wetter kalt und nass war. Trotz Regen und kaltem Wind haben wir dann aber beschlossen Spaß zu haben und sind mit Hilfe eines Taus, das in einem Baum hing, in den See gesprungen. Der See war sehr kalt, aber so wurde es ein toller Ausflug.

Morgens wurden wir immer um halb 8 geweckt, um 8 gab es Frühstück, und danach sind die einzelnen Gruppen aufgebrochen zu den jeweiligen Aktivitäten. Die meisten Campteilnehmer hatten morgens Englischunterricht. Da ich aber im Adventure Camp war, erhielten wir in der Zeit, in der die anderen ihr Englisch verbessert haben, eine Einweisung in das Leben in der Natur, worauf man achten muss, wenn man Bären begegnet und so.

Ansonsten standen viele Outdoor-Aktivitäten auf unserem Tagesprogramm wie Kajak fahren, Klettern, Abseilen, Schwimmen, Wandern und vieles mehr. Es hat mir besonders viel Spaß bereitet, als wir zum Klettern in einen "Naturhochseilgarten" gefahren sind. In gewaltiger Höhe sind wir dann gut gesichert und unter Anleitung der Betreuer über Baumstämme, Drahtseile und Felsen geklettert. Am Ende stand man auf einer 30 Meter hohen Plattform. Dann musste man sich mit den Karabinerhaken an einem Seil festmachen und irgendwie runterkommen. Es gab nur einen Weg: nach vorne. Der Sprung in 30 Meter Tiefe ist ein unglaubliches Gefühl, und beim ersten Mal braucht man etwas Mut. Das haben wir alle mehrmals gemacht und wir wollten gar nicht mehr weg.

Ein anderes Mal waren wir auf einem See Kajak fahren. Der Wind war stark und es gab sogar recht hohe Wellen. Auch dort hatten wir viel Spaß. Viele sind gekentert. Manche unabsichtlich, aber viele auch einfach zum Spaß.

Nach dem Mittagessen haben dann alle Gruppen längere Aktivitäten unternommen. Diese gingen über Rafting auf einem Wildwasserfluss oder Mountainbiken über weltbeste Strecken, die es in Whistler definitiv gibt, bis zum Planen der ein bis drei Tage langen Campingtrips in den Wäldern.

Am besten hat mir definitiv das Mountainbiken gefallen, was zwar auch ein paar Schrammen, aber auf jeden Fall sehr viel Spaß und Action gebracht hat. Das erste Mal Mountainbiken war mit der ganzen Gruppe. Das war vergleichsweise harmlos im Gegensatz zum zweiten Mal. Beim ersten Mal waren wir mit der ganzen Gruppe gefahren. Mit dem Sessellift ging es eine halbe Stunde lang hoch auf den Berg. Dort sind wir dann in einem Mordstempo die unterschiedlichen Strecken runtergefahren. Leider haben wir aus zeitlichen Gründen nur drei Abfahrten nehmen können.

Da uns das aber so viel Spaß gemacht hat, bin ich an unserem "day off" mit drei weiteren Freunden noch einmal für einen ganzen Tag Mountainbiken gegangen. Im Ort Whistler gibt es viele Anbieter für Outdoor-Aktivitäten, bei einem haben wir eine ganze Tagestour gebucht. Morgens um 10 ging’s zum ersten Mal mit dem Sessellift hoch. Wir haben jede nur erdenkliche Abfahrt genommen. Zum Warmwerden haben wir bei den grünen Strecken angefangen, die am einfachsten sind. Langsam haben wir uns dann über schwierigere Strecken bis zu schwarzen Strecken durchgearbeitet. Über gigantische Rampen und enge Wege ging es immer weiter runter. Manchmal steil bergab, manchmal, um den Schwung rauszunehmen, eine Felswand hoch und wieder runter. Wir hatten unglaublich viel Spaß. Gefahren sind wir mit voller Schutzausrüstung und auf 8000 CAN$ teuren Bikes! Nach diesem erlebnisreichen Tag sind wir schweißgebadet und auch wieder mit einigen Schrammen im Camp angekommen. Die anderen waren übrigens in der Zeit Paintball spielen oder klettern.

Auch sehr gut gefallen hat mir das Wild Water Rafting, da es auf einem wirklichen, schnell strömenden Wildwasserfluss war. Schon nach sehr kurzer Zeit haben wir gemerkt, dass wir im Boot als Team arbeiten und uns wirklich an die Regeln halten mussten, um nicht über Bord zu gehen. Zum Spaß sind wir jedoch alle irgendwann dann doch ins eiskalte Wasser gesprungen und haben uns ein wenig mittreiben lassen.

Höhepunkte der Adventure Wochen waren die Campingtrips durch Kanadas Wälder und Gebirge, die sehr anstrengend, aber auch wirklich lohnenswert waren. Wir packten je nach Länge der geplanten Tour unsere Rucksäcke mit Proviant, Zelten und Schlafsäcken. Von kurzen Wanderungen über 5 Kilometer bis zu Tagesmärschen von 17 Kilometer war alles dabei. Schnell wurden die Wanderstiefel nass, da wir durch Flüsse und Schneefelder bis unter die Gletscher gewandert sind. Nachdem sie nass waren, gab es keine Hemmungen mehr und alle sind in voller Ausrüstung durch den Schlamm gestapft.

Bei einer der Wanderungen haben wir unsere Sachen im Zelt am See gelassen und sind auf einen Berg geklettert. Anfangs ging es durch Wälder bergauf. Irgendwann sind wir weiter über offene Schneefelder gelaufen. Am Ende mussten wir wirklich mit Händen und Füßen arbeiten, um überhaupt noch weiter hoch zu kommen. Als wir endlich oben waren, konnten wir einen unglaublich überwältigenden Ausblick genießen. Man sah bis zum Horizont weiße Schneegipfel und unten einen türkisblauen leuchtenden See.

Nachdem viele neue Facebook-Profilbilder gemacht worden waren, ging es wieder runter. Der Weg ging nun rasant schnell, da wir einfach losrannten, uns überschlugen und auf den Schneefeldern runtergerutscht sind. Manche haben versucht in Wanderstiefeln Ski zu fahren, manche sind gelaufen, auf dem Bauch gerutscht, auf dem Rücken, manche haben sich runtergerollt. Es war wirklich sehr belustigend. Klitschnass kamen wir unten an, aber alle waren super drauf. Jeden Abend im Camp sind alle sehr erschöpft, aber glücklich und 100% zufrieden eingeschlafen.

Alles in allem war meine Reise nach Whistler für mich sehr erlebnisreich, auf jeden Fall lohnenswert und nur zu empfehlen. Ich habe zwar keinen regulären Englischunterricht gehabt, aber vermutlich habe ich durch die ständigen Gespräche mit den anderen Campern mindestens genauso viel gelernt. Auf jeden Fall kann ich mich jetzt problemlos auf Englisch mit Leuten aus aller Welt unterhalten. Außerdem habe ich viel über das Leben in der kanadischen Natur gelernt. Wenn ich die Gelegenheit noch einmal bekommen sollte, dorthin zu fliegen, werde ich sie mit Sicherheit sofort ergreifen!



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