Mathilda K. - Rugby

Mathilda K. (15 J.) ist sich sicher: Rugby, I'll be back!

Großbritannien Mathilda K. - Rugby

Drei Wochen Sprachferien in Rugby. Seit ich meinen Sommerurlaub gebucht hatte, freute ich mich darauf. Und dann war es endlich soweit; ich landete in Heathrow und atmete zum ersten Mal seit langem wieder englische Luft ein. Voller Vorfreude und ein bisschen nervös marschierte ich zum Ausgang bei der Gepäckabgabe. Doch, anders als erwartet, einem Vertreter von "Thames Valley" gegenüberzustehen, fand ich mich vor einer Horde Fotografen und Kameraleute wieder. Von mir wollten die aber leider nichts wissen. Dann fiel es mir ein, die Olympischen Spiele in London standen an. Kurze Zeit später traf nämlich die brasilianische Olympiamannschaft ein. Ich konnte mich darum aber erst mal nicht kümmern, denn ich hatte meinen Abholer entdeckt. Entgegen meinen Ängsten kam ich schnell mit der englischen Sprache zurecht und konnte mich gut mit ihm unterhalten. Es dauerte nicht lange, da traf ich andere Sprachschüler, die vor mir angekommen waren. Italiener, Spanier, Franzosen und Deutsche waren da. Allein das fand ich schon spannend, doch dann erfuhr ich, dass auch Schüler aus Brasilien, Japan, Russland und China kommen würden. Noch nie hatte ich Jugendliche von so weit weg getroffen!

Nach einer etwa zweistündigen Busfahrt von London nach Rugby sah ich mein Zuhause für die nächsten drei Wochen zum ersten Mal. Die Rugby School sieht ungelogen aus wie Hogwarts! Die Häuser sind aus Stein gebaut und haben Türme und Zinnen. Sofort ins Auge fällt einem die wunderschöne "chapel" der Schule und der typische englische Rasen (wie ich später erfahren sollte, wurde er jeden Tag gemäht, was zur Folge hatte, dass er mal kariert und mal gestreift war) für die vielen Sportmöglichkeiten. Zum ersten Mal sah ich das "original rugby pitch", auf dem der Sport Rugby erfunden wurde.

Müde von der Reise war ich froh, am Abend nach einem Eistufungstest endlich in mein Zimmer zu kommen. Ebenfalls wie in Hogwarts gibt es auch hier verschiedene Häuser. Ich selbst war in Stanley, einem reinen Mädchenhaus. Die ersten beiden Tage war Stanley noch nicht ganz voll, doch dann kamen 10 Brasilianerinnen und machten Stimmung. Wir Mädchen und meine "housemistress" Holly waren eine tolle Gemeinschaft. Oft saßen wir zusammen und unterhielten uns, auch über unsere Länder. Ich liebte die internationale Atmosphäre; da waren Mädchen aus Russland, Italien, Deutschland, Spanien, Brasilien und China!

Jeder Tag startete nach demselben Muster; zuerst "assembly", wo Charles, der Boss, etwas zu dem jeweiligen Tag sagte. Sie fand im TSR ("temple speech room") statt. Als ich diesen Saal zum ersten Mal sah, blieb mir die Luft weg. Auch hier sah es aus wie in Hogwarts. Eine riesige Orgel schmückte den prunkvollen Raum. An der mit Holz getäfelten Wand hingen unzählige Bilder von alten Schulleitern und Holztafeln mit eingravierten Namen von Schulabgängern. Bevor die "assembly" begann, trugen wir uns für "activities" ein. Da gab es, von Tag zu Tag verschieden, Fußball, Rugby, Arts&Crafts, Performing Arts, Shooting, Netball, Basketball, Badminton, Tennis, Rounders (so ähnlich wie Baseball), going to town und ICT (Computerraum) in ein bis drei "sessions" pro Tag.

Nach der Versammlung fingen die "lessons" an. Jede Klasse besaß etwa 10 Schüler, war international zusammengewürfelt und hatte zwei Lehrer. Im Unterricht bereiteten wir uns mit vielen Spielen und Partnerübungen auf das trinity examen vor, das aus drei Teilen bestand. Die ersten fünf Minuten sprach man über ein selbst ausgewähltes Thema, danach wurde einem ein Problem geschildert, zu dem man durch Fragen eine Lösung finden musste. In den letzten fünf Minuten suchte der examiner sich zwei Themen aus und stellte Fragen. In meinem "grade" 9 gab es sechs verschiedene Themen zur Auswahl; "design", "technology", "crime and punishment", "habits and obsessions", "dreams and nightmares" und "environmental issues". Die Vorbereitung der Themen war also entsprechend vielfältig und abwechslungsreich und es machte mir Spaß im Unterricht zu sein. Hier sahen wir uns auch mal Filme an oder saßen bei gutem Wetter draußen auf der Wiese. Einmal gingen wir sogar in die Stadt.

Natürlich waren die ersten paar Tage ein bisschen schwierig für mich. Ich kannte niemanden und alles war neu. Doch dann gefiel es mir so gut, dass ich beschloss, nie wieder nach Hause zu fahren. Direkt am allerersten Samstag stand ein "trip" nach London an. Wir gingen (oder eher rannten) in der Oxford Street shoppen. Danach stand eine "river cruise" auf dem Programm. Leider war das Wetter mal wieder sehr "British" und wir froren, während es in Strömen regnete. Doch das hinderte uns nicht daran, kräftig Fotos von dem olympischen London zu machen. An der Tower Bridge hingen die olympischen Ringe und auch in der Themse konnte man sie finden. Über den großen Straßen hingen Flaggen und jedes Geschäft schmückte sich mit Union Jack. Dieser "trip" wird mir immer in Erinnerung bleiben.

Aber auch unsere anderen Ausflüge waren schön, wir besuchten Blenheim Palace, Warwick Castle, Cambridge, noch einmal London, Stratford upon Avon und fuhren mit dem Zug nach Birmingham.

Doch nicht nur die häufigen Ausflüge sorgten für Abwechslung und Spaß, auch die "evening activities" waren sehr lustig. Da veranstalteten wir zum Beispiel einmal "Scottish dancing". Wir hüpften miteinander im Kreis, hakten uns unter und machten lustige Armbewegungen zu schottischer Musik. Sollte ich jemals in Schottland tanzen wollen, weiß ich jetzt, wie! Ein anderes Mal feierten wir die "Rugby Fashionshow 2012". Aus Alufolie, Papier, Federn, Klopapier, Strasssteinen und Servietten bastelten wir Kleider, die mehr oder weniger schön aussahen. Pro Woche gab es zwei Diskos. Bei der "Rugby Talent Show" führte jeder, der wollte, etwas vor. Haus Stanley baute eine "human pyramid", die aber leider zusammenbrach. Andere sangen, tanzten oder aßen Hot Dogs um die Wette.

Wenn mal keine spezielle Aktivität auf dem Programm stand, gab es "house social activities". Das bedeutete, dass alle Schüler zu anderen Häusern gehen durften und sich dort im common room aufhalten. Die meisten trafen sich dann beim Kilbracken House, einem Jungenhaus. Hier gibt es eine riesige Wiese mit Sportmöglichkeiten. Auf dem Gras sitzend oder Ball spielend ließ man den Tag ausklingen.

Die Tage vergingen wie im Flug und ich genoss jede einzelne Minute; noch nie hatte ich so lustige, interessante, spannende und lehrreiche Ferien erlebt. Meine neuen Freunde kamen "from all over the world" und brachten mir mehr oder weniger nützliche Wörter und Sätze in ihren Sprachen bei. So kann ich jetzt Leute auf chinesisch, russisch, spanisch, italienisch und brasilianisch grüßen und verabschieden, aber auch beleidigen. Außerdem weiß ich, was "Eichhörnchen" auf Türkisch, "Robbe" auf Russisch und "Krümel" auf Italienisch heißt.

Im Gegensatz zu diesen zum Teil unnützen Sachen habe ich unglaublich viel Englisch gelernt! Ich glaube, in diesen drei Wochen mehr als in einem Jahr Schule. Da nur wenige Deutsche da waren, musste ich einfach ständig englisch reden, ich hatte ja keine andere Wahl. Meine Aussprache hat sich um einiges verbessert und ich habe neben dem Unterricht nützliches Alltagsenglisch gelernt. Neu in diesem Jahr waren die "English school friends" in Rugby. Etwa 20 englische Jugendliche im Alter von 13–16 kamen unter der Woche zu uns an die Summer School. Jeweils einer pro Klasse half und verbesserte uns im Unterricht. Außerdem nahmen sie an den "activities" teil und kamen ab und zu zur gelegentlichen Disko abends. Durch sie lernte ich sehr viel Englisch. Sie waren freundlich und unternahmen viel mit mir. Durch die "English school friends" habe ich auch jetzt noch, wo meine Sprachferien leider schon vorbei sind, über Facebook die Möglichkeit, die Sprache weiter zu benutzen und zu verbessern. Manchmal unterhielt ich mich mit Lehrern darüber, ob die Schulfreunde eine gute Einführung gewesen seien. Ich finde ja, Rugby sollte das beibehalten, denn obwohl ich mit dem "staff" auch viel zu tun hatte und oft redete war es eine ganz andere Sache, mit gleichaltrigen Engländern etwas zu unternehmen!

Als der Tag meines Examens nach drei Wochen gekommen war und die "farewell disco" vorbei war, kippte die Stimmung schlagartig. Ich musste einsehen, dass meine Sprachferien nun endgültig vorbei waren. Die Lichter gingen in der Disko an und die Musik hörte auf. Wir sahen uns alle fassungslos an. Das war's dann jetzt, dachte ich mir. Für die meisten war nach drei Wochen Schluss, die wenigsten blieben noch eine Woche länger. Nach und nach fingen erst die Mädchen an zu weinen, dann die Jungs und sogar ein paar Lehrer. In den drei Wochen waren wir eine tolle Gemeinschaft geworden, die sich jetzt wieder trennen musste. Um den letzten Abend zu feiern, veranstalteten wir in Stanley eine Übernachtung im "common room", bei der wir mehr redeten und Kekse aßen, als zu schlafen. Und dann war es soweit; das letzte Frühstück, dann das letzte Mal "lunch".

Als ich traurig und mit feuchten Augen in den Bus nach Heathrow stieg und den in den letzten Wochen ins Herz geschlossenen weinenden Engländern und Schülern, die für vier Wochen blieben, auf dem Gehweg winkte, wusste ich: Das hier war nicht meine letzte Summer School. Rugby, I'll be back!

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